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Streit ums Nihil obstat : Vatikan setzt im Fall Wucherpfennig auf Deeskalation

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Im Konflikt um die kirchliche Unbedenklichkeitserklärung „Nihil obstat“ für den gewählten Rektor der Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Frankfurt, Pater Ansgar Wucherpfennig, zeichnet sich eine Lösung ab. Nach Informationen der „Herder Korrespondenz“ aus der römischen Kurie prüft man derzeit im Vatikan einen Kompromiss: Demnach könnte sich der Vatikan bereiterklären, grünes Licht für Wucherpfennig zu geben, wenn der Generalobere des Jesuitenordens, Arturo Sosa, die Verantwortung für die „Rechtgläubigkeit“ von Wucherpfennig übernimmt. Sosa fungiert als Großkanzler der Frankfurter Hochschule. Als solcher ernennt er den gewählten Rektor, sobald die vatikanische Kongregation für das katholische Bildungswesen ihre Zustimmung gegeben hat. De facto würde das bedeuten, dass die Kurie ihren Widerstand gegen Wucherpfennig aufgibt und die Lösung der Personalie der Leitung des Jesuitenordens überlässt.

Wie die „Herder Korrespondenz“ erfuhr, setzt der Heilige Stuhl in der Sache auf Deeskalation und will sich in dem Streit mit der Hochschule Sankt Georgen nicht um jeden Preis durchsetzen. „Rom hat das Rennen um die öffentliche Sympathie sowieso verloren“, sagte ein Insider. Kirchenmänner, die die Vorgänge in den Dikasterien gut kennen, betrachten die Affäre als unglückliche Verkettung von Umständen, die schließlich zu einer ungewollten Eskalation geführt habe. Man ist in den zuständigen Vatikanbehörden gleichzeitig der Auffassung, nichts anderes getan zu haben, als sich an das vorgeschriebene Prozedere zu halten, wie es in den „Normen zur Erteilung des Nihil obstat“ festgelegt ist. Verzögerungen aufgrund der Sommerferien hätten ihr Übriges getan, sodass die Unbedenklichkeitserklärung für Wucherpfennig beim Semesterbeginn am 1. Oktober nicht vorlag.

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Lukas Wiegelmann

Autor: Lucas Wiegelmann

Lucas Wiegelmann, geboren 1983, studierte Geschichte, Germanistik und Musikwissenschaft in Köln und Rom. Bei der Herder Korrespondenz ist er seit 2018, ab Januar 2019 als Chefkorrespondent Vatikan in Rom. Zuvor war er Journalist in Berlin bei Axel Springer in verschiedenen Tätigkeiten, zuletzt als stellv. Leiter Feuilleton von "Welt" und "Welt am Sonntag".
Benjamin Leven

Autor: Benjamin Leven

Benjamin Leven, Dr. phil. (geb. 1981), Studium der Katholischen Theologie sowie der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Berlin, Rom und Utrecht. 2014 Promotion in Würzburg. Von 2013 bis 2015 Chefredakteur der Zeitschriften Gottesdienst und praxis gottesdienst in Trier. Seit Oktober 2015 Redakteur der Herder Korrespondenz in Berlin und Rom.

1 Kommentar

Von am

Das Bürokraten-Gebäude im Vatikan tut ein Übriges, leichtfertig Katholiken zu brüskieren.
Alles, was Europa betrifft, scheint dort ohnehin nicht mehr zu interessieren, da die Kirche nur noch außerhalb Europa's wächst.
Die Zahl der Neugeborenen-Taufen hat dem Überhang an Austritten nichts entgegen zu setzen.

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