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Ein Vorschlag : Viri probati zur Priesterweihe zulassen

Weihe Ständiger Diakone am 14. März 2009 im Dom zu Paderborn. Während der Allerheiligenlitanei liegen die Weihekandidaten auf dem Boden.
 © Bild: KNA-Bild

Den Verantwortlichen in den Diözesen ist das Problem schon lange bekannt. Bedingt durch den Priestermangel drohen viele Diözesen einen Teil ihrer sakramentalen Grundstruktur einzubüßen. Dieser Beitrag macht einen Vorschlag, unter welchen Bedingungen verheiratete Diakone zur Priesterweihe zugelassen werden können, ohne dass dies auf Kosten des zölibatären Priestertums geht.

Gemeinden leiten, das Wort Gottes verkünden und auslegen, der Eucharistie vorstehen, Beichte hören, die Krankensalbung spenden – diese priesterlichen Dienste sind unentbehrlich für den Aufbau der Kirche. Ist die Zahl der Priester stark rückläufig, hat das erhebliche Auswirkungen auf das kirchliche Leben. Seit Anfang der Neunzigerjahre ist die Zahl der Priesterweihen immer deutlicher gesunken.

Im Jahr 2015 haben in Deutschland nur noch 58 Männer – so wenige wie nie zuvor – das Sakrament der Priesterweihe empfangen. Zwar stieg die Zahl der Weihen ein Jahr später wieder auf 80, doch in einigen Diözesen kann nicht mehr jährlich eine Priesterweihe gefeiert werden. Zudem begannen letztes Jahr nur noch etwa 100 junge Männer als Priesterkandidaten ihr Theologiestudium. Mit einer Trendwende ist nicht zu rechnen. Das Verhältnis der in Pension gehenden Priester zu den Neupriestern dürfte somit auf lange Sicht unausgeglichen bleiben.

Die sakramentale Grundstruktur der Kirche droht Schaden zu nehmen

Die Zahl der Orte, an denen die Eucharistie nicht mehr regelmäßig gefeiert werden kann, wird weiter zunehmen. Diese Entwicklung hat wiederum Auswirkungen auf den priesterlichen Dienst, der sich in immer größer werdenden pastoralen Räumen noch mehr als bisher auf Leitung und Sakramentenspendung konzentrieren wird. Für andere seelsorgliche Tätigkeiten, die Priester als sehr erfüllend erleben, bleibt kaum noch Zeit.

Den Verantwortlichen in den Diözesen ist das Problem schon lange bekannt. Durch drei Kompensationsstrategien, die das Problem aber letztlich nicht lösen, versucht man hier gegenzusteuern.

Um den Priestermangel abzufedern, wird erstens verstärkt auf pastorale „Laien"-Berufe (Pastoralreferenten und Pastoralreferentinnen, Gemeindereferenten und Gemeindereferentinnen) gesetzt. Auf der Basis von Taufe und Firmung und mit bischöflicher Sendung haben theologisch qualifizierte Männer und Frauen manche Aufgaben übernommen, die früher Priestern vorbehalten waren. So sehr ihre Arbeit wertzuschätzen ist, sind ihr durch die sakramentale Struktur der Kirche doch spürbare Grenzen gesetzt. Priester können in ihren spezifischen Aufgaben nur durch Priester ersetzt werden. Wie die Zahl der Priesterkandidaten ist auch die Zahl der Bewerber für die pastoralen Laiendienste rückläufig; künftig werden längst nicht mehr alle Planstellen besetzt werden können.

Daneben leisten ausländische Priester einen wichtigen Beitrag, die bestehenden pastoralen Strukturen einigermaßen aufrechtzuerhalten. Etwa jeder sechste Priester in Deutschland kommt aus dem Ausland, die meisten aus Indien und Polen. Die Erfahrungen, die Gemeinden mit diesen Priestern machen, sind unterschiedlich. Manche Priester finden sich hier sehr gut zurecht, andere tun sich auch nach vielen Jahren mit der deutschen Sprache und Mentalität noch schwer. So sehr ausländische Priester die Pastoral bereichern können, ihr Einsatz kann nicht der Königsweg zur Behebung des Priestermangels in unserem Land sein. Eine Ortskirche sollte in der Lage sein, die Priesterberufe weitestgehend aus eigener Kraft hervorzubringen.

Eucharistie nicht mehr Quelle und Höhepunkt?

Weil die pastoralen Räume immer größer werden, gibt es schließlich vielerorts an Sonntagen Wort-Gottes-Feiern mit oder ohne Kommunionspendung, die von ständigen Diakonen, Pastoral- und Gemeindereferenten sowie eigens geschulten und bischöflich beauftragten Ehrenamtlichen mit großem Engagement geleitet werden. Doch bergen solche Feiern die Gefahr in sich, dass die Eucharistie nicht mehr als „Quelle und Höhepunkt" (Lumen Gentium, Nr. 11) des kirchlichen Lebens erlebt wird und Gläubige sie irgendwann nicht mehr vermissen.

Es ist bedenklich, wenn in den Pastoralen Leitlinien einer der größten deutschen Diözesen, deren Entwurf gegenwärtig diskutiert wird, der priesterliche Dienst keine Rolle mehr spielt; damit ist der innerste Nerv des katholischen Kirchenverständnisses getroffen. Und wie soll man auf die Einladung von protestantischen Gemeinden an Gläubige einer am Sonntag eucharistisch „verwaisten" katholischen Pfarrei reagieren, am evangelischen Gottesdienst teilzunehmen?

Angesichts dieser Aporien, welche die sakramentale Grundstruktur der katholischen Kirche zutiefst berühren, ist die Bedeutung der Sakramente für das kirchliche Leben in Verkündigung und Katechese wieder stärker ins Bewusstsein zu rufen.

Die Verbindung von Priesteramt und Zölibat

Gleichzeitig sind die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt theologisch verantwortungsvoll auszuloten. Während Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben „Ordinatio sacerdotalis" (1994) der Zulassung von Frauen zur Priesterweihe eine klare Absage erteilt hat, ist bei verheirateten Männern Spielraum gegeben.

Paulus empfiehlt die von ihm gelebte Ehelosigkeit, um ganz frei zu sein für Christus, doch betont er, dass es in der Frage der Ehelosigkeit, „kein Gebot vom Herrn" (1 Kor 7,25) gibt. Die Pastoralbriefe gehen davon aus, dass die Presbyter in der Regel verheiratete Männer sind, diese dürfen aber nur „Mann einer einzigen Frau" (Tit 1,6) sein, nach dem Tod der Ehefrau also kein zweites Mal geheiratet haben. Bis zum Mittelalter wurden in der Westkirche auch verheiratete Männer zu Priestern geweiht. Sie waren allerdings gehalten, enthaltsam zu leben. Diese Regelung (Enthaltsamkeitszölibat) hatte sich schon in den ersten Jahrhunderten etabliert.

Im Frühmittelalter setzte eine Entwicklung ein, die auf dem Zweiten Laterankonzil (1139) zum Gesetz der Ehelosigkeit für die Priester führte. Ein vollständig eheloser Klerus existiert freilich erst seit dem Konzil von Trient, auf dem aber eine Reihe von Theologen erklärte, dass der Priesterzölibat kirchlichen und nicht göttlichen Rechts sei. Von daher bestehe keine notwendige Verbindung von Priesteramt und Zölibat, so dass der Papst davon etwa bei Priestermangel dispensieren könne.

Im Osten hielt man an der Praxis fest, verheiratete Männer zu Priestern zu weihen. Sie waren aber schon bald nicht mehr zur vollkommenen Enthaltsamkeit verpflichtet, durften jedoch nach dem Tod ihrer Ehefrau nicht erneut heiraten. Im Unterschied zu den Priestern und Diakonen verpflichtete die Trullanische Synode (691) die Bischöfe zu Ehelosigkeit und vollkommener Enthaltsamkeit.

Im 20. Jahrhundert wurde erstmals einem konvertierten anglikanischen und einem protestantischen Geistlichen, die in der katholischen Kirche zu Priestern geweiht wurden, die päpstliche Dispens vom Zölibat gewährt. Obschon Johannes XXIII. den Priesterzölibat gegenüber kritischen Anfragen verteidigte, erklärte er in einem Gespräch mit Etienne Gilson, dass der Zölibat kein Dogma der Kirche und von der Heiligen Schrift her nicht zwingend notwendig sei. Das Zweite Vatikanische Konzil bezeichnet den Zölibat als „in vielfacher Hinsicht dem Priestertum angemessen", doch ist er, wie „die Praxis der frühesten Kirche und die Tradition der Ostkirchen zeigt", „nicht vom Wesen des Priestertums selbst her gefordert" (Presbyterorum Ordinis, Nr. 16). So erkennt das Konzil die Tradition der Ostkirchen an, in denen es neben zölibatären Priestern und Bischöfen „auch hochverdiente Priester im Ehestand" gibt.

Im Kirchenrecht für die katholischen Ostkirchen wird die Praxis verheirateter Priester bestätigt, doch soll die Lebensform unverheirateter Priester entsprechend der Tradition der ganzen Kirche hochgehalten werden (can. 373 CCEO). Papst Franziskus weitete das Recht der Bischöfe katholischer Ostkirchen, verheiratete Männer zu Priestern zu weihen, auf alle Gebiete aus, in denen eine eigene Hierarchie existiert.

Auch wenn kein notwendiger Zusammenhang von Priesteramt und Zölibat besteht, hat das Zweite Vatikanische Konzil mit großer Mehrheit den Zölibat für die Priester der lateinischen Kirche bekräftigt. In der Vorbereitung des Konzils hatten allerdings einige lateinamerikanische Bischöfe die Weihe von erfahrenen verheirateten Männern (viri probati) empfohlen. Paul VI. hielt die Diskussion über den Zölibat damals jedoch nicht für opportun, so dass der Vorschlag, viri probati zu Priestern zu weihen, auf dem Konzil nicht vorgetragen und erörtert werden konnte.

Paul VI. bekräftigte den Zölibat in seiner Enzyklika „Sacerdotalis caelibatus" (1967). Auf der Bischofssynode zum priesterlichen Dienst (1971) sprachen sich aber, bei zwei Enthaltungen und zwei ungültigen Stimmen, immerhin 87 von 202 stimmberechtigten Bischöfen für die Möglichkeit aus, dass der Papst aus pastoralen Gründen die Weihe von viri probati zu Priestern erlauben könne. Johannes Paul II. stellt in seinem Nachsynodalen Schreiben „Pastores dabo vobis" (1992) das „Band" heraus, das den Zölibat mit der heiligen Weihe verbindet, die den Priester Jesus Christus, dem Haupt und Bräutigam der Kirche, gleichgestaltet" (Nr. 29), und nennt den Zölibat ein „Charakteristikum" der katholischen Kirche.

Der Zölibat der Priester wird zum einen mit der Ehelosigkeit „um des Himmelsreiches willen" (Mt 19,12) begründet, dem in der Nachfolge Christi als eschatologischem Zeichen ein besonderer Wert zukommt (1 Kor 7,25-35), zum anderen mit der größeren Freiheit für Christus und den kirchlichen Dienst. Jesus selbst hat ehelos gelebt, ebenso Paulus. Es wäre ein großer Verlust, wenn es den zölibatär lebenden Priester als Gemeindeleiter, Verkünder des Wortes Gottes und Vorsteher der Eucharistie wie der übrigen sakramentalen Feiern nur noch in seltenen Ausnahmefällen gäbe.

Wir sprechen uns daher dafür aus, die Stellung des zölibatär lebenden Priesters in und gegenüber der Gemeinde zu stärken und die Berufungspastoral weiter zu intensivieren. Als Antwort auf den drastischen Priestermangel wird dies aber unserer Meinung nach nicht ausreichen. Auch der von uns vorgeschlagene Weg wird nicht alle Probleme auf einmal lösen, aber er ist theologisch-pastoral verantwortbar und bringt eine spürbare Entlastung.

Die Weihe von verheirateten Diakonen zu Priestern

In einem Vortrag mit dem Titel „Wie wird die Kirche im Jahre 2000 aussehen?" (1969) sagte Joseph Ratzinger, die Kirche in der Zukunft werde klein sein und daher auch „gewisse neue Formen des Amtes" einführen, etwa „bewährte Christen, die im Beruf stehen, zu Priestern" weihen (Wie wird die Kirche im Jahr 2000 aussehen?, in: Gesammelte Schriften, Band 8/2 [2010], 1167). Im Jahre 1970 wurde den Deutschen Bischöfen ein von neun Theologieprofessoren unterzeichnetes Memorandum zur Frage des Zölibats unterbreitet, unterschrieben unter anderem von Walter Kasper, Karl Lehmann und Ratzinger. Danach soll die Verbindung von Priesteramt und Zölibat im Prinzip beibehalten, zugleich aber geprüft werden, ob neben unverheirateten, zölibatär lebenden Kandidaten auch verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden können. Es besteht kein Zweifel, dass die katholische Kirche die Freiheit dazu besitzt, wenn dies aus pastoralen Gründen geboten scheint.

Man kann stattdessen pragmatisch vorgehen und Diakone sowie Laien im pastoralen Dienst mit priesterlichen Aufgaben betrauen und gleichzeitig die seelsorglichen Räume der Zahl der verfügbaren Priester anpassen. Manche fordern, den Priestern die Lebensform freizustellen. Wir halten weder den einen noch den anderen Weg für zielführend. Man kann die pastoralen Räume nicht immer größer machen. Der Priester, dessen Dienst konstitutiv ist für die Kirche, muss als Seelsorger erfahrbar sein, nicht nur in der Feier der Eucharistie. Pragmatische Wege führen dazu, dass sich die sakramentale Struktur der Kirche auflöst. Den Priestern die Lebensform freizustellen, würde zwar kurzfristig die Zahl der Priester erhöhen, das prophetische Zeichen des Zölibats würde so aber wahrscheinlich verloren gehen. Für Priester sollte die gewählte Lebensform Ausdruck einer Lebensentscheidung sein. Aus diesem Grund sind wir auch dagegen, laisierten Priestern wieder die Ausübung ihres priesterlichen Dienstes zu ermöglichen.

Um dem Mangel an Priestern zu begegnen, plädieren wir dafür, Männer aus dem Kreis der ständigen Diakone, die Teil des einen sakramentalen Ordo sind, unter bestimmten Bedingungen mit Dispens vom Weihehindernis der Ehe die Priesterweihe zu spenden (can. 1042 1° CIC). Darunter können auch ehemalige Pastoralreferenten sein, die nach ihrer Weihe eine Zeit lang als Diakone gearbeitet haben.

Verheiratete Priester sollten in der Regel hauptberuflich arbeiten. Denkbar wären auch verheiratete Priester mit einem kirchlichen, aber nicht im engeren Sinne seelsorglichen Hauptberuf (zum Beispiel in den Schulen, Hochschulen, Ordinariaten oder an anderen Orten). Priester im Nebenberuf könnten in mittlerer Perspektive von größerer Bedeutung werden. Denn für die Zukunft unserer kirchensteuerfinanzierten Kirche gibt es keine Garantie. Es ist offensichtlich, dass der gesellschaftliche Konsens für dieses Modell bröckelt.

Das spezifische Profil des eigenständigen Diakonats sehen wir durch unseren Vorschlag nicht gefährdet, da nur eine gewisse Zahl der verheirateten Diakone als viri probati für das Priesteramt in Frage kommt. Man darf auch nicht übersehen, dass bei der Wiedereinführung des Diakonats als eigenständigem Amt und den Aufgaben, die das Zweite Vatikanische Konzil ihm zuwies, der Priestermangel eine Rolle gespielt hat (LG 49, besonders „Ad Gentes", Nr. 16).

Ein volles Theologiestudium ist notwendig

Was die jüngst veröffentlichte „Ratio Fundamentalis" (2016) für die unverheirateten Priesterkandidaten fordert, hätte unserer Meinung nach auch für viri probati zu gelten. Diese müssten in vierfacher Hinsicht befähigt sein: menschlich, geistlich, intellektuell und pastoral (Kongregation für den Klerus, Das Geschenk der Berufung zum Priestertum, Nr. 89–118). Besonders die pastorale Kompetenz zum Hirtendienst ist für den Presbyterat, im Unterschied zum Amt des Diakons, kennzeichnend.

Aufgrund der von der „Ratio fundamentalis" geforderten intellektuellen Befähigung wäre der vir probatus für das Priesteramt zugleich ein vir theologicus, der akademisch entsprechend ausgebildet ist.

Die von den meisten Diakonen absolvierten theologischen Kurse reichen für die Ausübung des Priesteramtes unseres Erachtens nicht aus. Für diejenigen Diakone, die nicht über ein volles Theologiestudium verfügen, könnte man in Verbindung mit einzelnen Theologischen Fakultäten ein Ausbildungscurriculum in der Form des Blended Learning entwickeln. Der Vorschlag, ehrenamtlich arbeitende Männer ohne entsprechende theologische Ausbildung zu weihen, überzeugt uns nicht, da die Anforderungen an die Fachkompetenz der Priester in den Ortskirchen der westlichen Wissensgesellschaften sehr hoch sind.

Neben der menschlichen Reife, der geistlichen Formung, der wissenschaftlichen Kompetenz und der pastoralen Befähigung müssen weitere Voraussetzungen gegeben sein, um verheiratete Männer zu Priestern weihen zu können. Das Haus des vir probatus muss entsprechend der Forderung der Pastoralbriefe in Ordnung sein (1 Tim 3,4f; Tit 1,6). Von Seiten der Ehefrau bedarf es der ausdrücklichen Zustimmung zur Priesterweihe ihres Mannes. Beim Mindestalter wird man an etwa 50 Jahre denken, die Kindererziehung sollte abgeschlossen sein. Damit wäre ein gebührender Abstand zur Weihe unverheirateter Priesterkandidaten gewahrt, die bei ihrer Diakonenweihe das Zölibatsversprechen ablegen. Zudem ist zu hoffen, dass sich mit der unteren Altersgrenze das Problem der Ehescheidung verheirateter Priester in Grenzen halten wird (die Scheidungsquote unter evangelischen Pfarrern ist signifikant hoch). Wir glauben, dass mit den formulierten Anforderungen an den verheirateten Priester die nötige Freiheit für Christus und den priesterlichen Dienst gewährleistet ist. Nach dem Tod der Ehefrau sollte der Priester zum zölibatären Leben verpflichtet sein.

Unser Vorschlag stellt den Wert des Zölibats nicht in Frage, er will ihn angesichts des Priestermangels vielmehr bewahren. Auf den möglichen Einwand, ob sich in Zukunft noch junge Männer finden werden, die versprechen, zölibatär zu leben, ist zu antworten: Der Zölibat ist nicht zuerst ein Gesetz, sondern ein von Gott geschenktes Charisma. Wir vertrauen darauf, dass Gott der Kirche auch zukünftig dieses Charisma schenken wird. Berufungen zum zölibatären Leben müssen aber geweckt und gefördert werden.

Die Eröffnung des Weges durch Papst und Bischöfe

Vor einiger Zeit stellte Kardinal Lehmann bei einer Veranstaltung an der Universität Freiburg die Frage in den Raum, was uns eigentlich daran hindere, aus dem Kreis der verheirateten ständigen Diakone einige zu Priestern zu weihen. Angesichts der zurückgehenden Zahl der Priester sowie der dramatisch geringen Zahl an Priesterkandidaten, so der Kardinal weiter, sei es höchste Zeit, dass sich die Bischöfe intensiv mit der Frage der Priesterweihe von viri probati beschäftigen.

In einem Gespräch mit Bischof Erwin Kräutler hat Papst Franziskus die Bischofskonferenzen ermutigt, ihm diesbezüglich „mutige Vorschläge" zu machen (Erwin Kräutler, Habt Mut! Jetzt die Kirche und die Welt verändern, 2. Aufl., Innsbruck 2016, 91). Die deutsche Bischofskonferenz könnte die genannten Impulse aufgreifen und sich in einem Votum an Papst Franziskus für die Möglichkeit der Priesterweihe von viri probati unter den genannten Bedingungen einsetzen. Da ein gemischter Klerus aus zölibatär lebenden und verheirateten Priestern in der von uns vorgeschlagenen Form etwas Neues in der katholischen Kirche darstellt, bedürfte er einer umsichtigen Einführung. Zwei oder drei Diözesanbischöfe könnten vorangehen und mit Erlaubnis des Papstes eine Reihe verheirateter Diakone zu Priestern weihen.

Quelle: Herder Korrespondenz 71. Jahrgang (2017), Heft 3, S. 13-17

Rubrik: Ämter & Dienste

7 Kommentare

Von am

Ich gehöre zum Weihekurs 1963 im Bistum Trier. Wenn wir - die nach Ausscheiden durch Tod, Laisierte sind dabei - uns treffen, sind wir einer Meinung bezüglich der Zulassung von viri probati zur Weihe. In der Tat wäre der Vorschlag, Diakone zu weihen, ein Einstieg. Es macht uns sprachlos und traurig, dass dieser Weg nicht eingeschlagen wird, andererseits Papst und Bischöfe zu den Salkramenten einladen, z.B. zum Bußsdakrament. Aber wie soll das praktiziert werden? Wir im Alter von fast 80 arbeiten gerne mit, aber wie lange geht das noch? Noch eine Bemmerkung: Das Eheverbot in der latein. Kirche rückt den Zölibat doch eher in die Nähe eines Gesetzes statt in die eines Charismas.

Von am

Für mich ist das Wort "pastoral" das Unwort des Jahrhunderts. Die Kirche soll das tun, was Gott will und nicht das, was die Menschen wollen. Hochmut - Stolz und Ungehorsam sind die Ursünden. Wenn ein Mensch nicht mehr nach dem Willen Gottes leben will, verliert seinen Glauben, oder ändert die Bedeutung dieses Wortes, wie das Luther getan hat (die Rechtfertigungslehre).

Von am

Meines Erachtens sollte von den verantwortlichen Entscheidern in unserer katholischen Kirche endlich gesehen werden, dass das „Weihesakrament“ (und damit Amt, Funktion und Aufgaben des „Geweihten“) im Lauf der Kirchengeschichte leider auf den „Priester“ in seiner jetzigen Form focussiert bzw. verkürzt worden ist. Wenn es in der Gründungszeit der Kirche, wie es die Schriften des Neuen Testamentes (z.B. Paulus) bezeugen, eine größere Vielfalt von „Ämtern“ in den Gemeinden gab, warum sollte es in unserer Umbruchszeit, in der es unserer „ecclesia semper reformanda“ um eine am lebendigen Ursprung orientierte Neu-Weiter-Entwicklung gehen sollte, nicht möglich sein, das alte Weihesakrament wieder mit neuen (alten) Diensten anzureichern und aufzufüllen. Neben sogenannten „viri probati“ könnten ja vielleicht auch „mulieres probatae“ für bestimmte „heilige Dienste“ „geweiht“ bzw. beauftragt werden. Die Eucharistiefeier zu leiten ist einer von vielen möglichen (sakramentalen) Diensten am Volk Gottes und seinen Gemeinschaften. Die „Verwaltung der Sakramente“, die zurzeit auf die Siebenzahl festgelegt ist, kann sich unter der Führung des Heiligen Geistes durchaus noch kreativ weiterentwickeln und ausdifferenzieren innerhalb des Grundsakramentes Kirche.

Von am

Danke für die Diskussion.
Philipp Müller ist Priester und Helmut Hoping ist Ständiger Diakon. Daher möchte ich eine dritte Stimme in den Ring werfen: Die eines laisierten Priesters.
Ich möchte deutlich sagen: dass ich wegen Heirat vom Priesteramt suspendiert bin, lässt nicht die Schlussfolgerung zu, dass keine Berufung vorliegt. In der römisch-katholischen Kirche ist es (leider) nur so, dass sie nur diejenigen nimmt, die dazu noch zölibatär leben. Von den vielen berufenen Frauen spreche ich hier nicht - vielleicht meldet sich auch noch eine Stimme.
Wer beruft denn? Es ist doch der Herr selber! Und die Kirche (=Bischöfe) prüfen diese Berufung. Aber wäre es nicht an der Zeit, ergebnisoffen in einer Synode die Zugangsvoraussetzungen zum Amt zu überprüfen? Ich denke nämlich, dass sich die Kirche einen Luxus leistet, der sehr fragwürdig ist. Sie nimmt nicht die, die es tatsächlich gibt. Eine übergroße Mehrheit der Gläubigen würde z.B. den Zölibat nicht als Voraussetzung für das Amt als wichtig erachten.
Glaubwürdiger sind da die Klöster: dort wird das eschatologische Zeichen in den drei(!) evangelischen Räten gelebt. Aber sie haben keinen "Vorteil" dadurch: es gibt Priester und Brüder. Alle sind durch dieselben Räte verbunden. Es gibt dort im Idealfall nicht diejenigen, die den Zölibat "auf sich nehmen", um ein Amt auszuüben (vgl. die Diskussion der Priester aus dem Erzbistum Köln zu ihrem 50-jährigen Weihejubiläum).
Ich denke, es würde dem eschatologischen Zeichen gut tun, es von einem Amt zu befreien. Die Charismen sind verschieden: ist es nicht besser, einem / einer Verheirateten, die verkünden kann, dies auch zuzugestehen anstatt einem, der es eigentlich nicht kann aber zölibatär lebt? Oder ist das schon wieder zu funktional gedacht? Nein! Ich wende nur die Charismenlehre des Apostels Paulus an. Keiner hat alles.
Wenn das Wirklichkeit würde, was Hoping und Müller vorschlagen, wäre eine große Chance vertan. Eine bestimmte Lebensform gehört nicht wesensmäßig zum Priesteramt. Also machen wir ernst damit!
Und was macht einen Mann zum "probatus"?
Hier würden wir wieder die Debatte der "Wiederverheiratet-Geschiedenen" bekommen. Sie steht dafür, dass man in der katholischen Kirche nicht wirklich neu anfangen darf. Die Vergangenheit hängt einem in der Lehre immer noch nach. Das (Wer ist "probatus"?)fragte übrigens auch schon Bischof em. Kräutler, der sich dehalb dieses Modell nicht vorstellen konnte, sondern das Amt generell öffnen würde.
Warum darf in der katholischen Kirche nicht einfach der eine Gemeinde leiten, der/ die geeignet ist und den/die die Gemeinde akzeptiert? Warum müssen wir immer so viel Tradition mit herum schleppen? Warum dürfen wir nicht das tun, was uns gut tut?
Ich bin es soooo Leid ...

Von am

Sehr geehrter Herr Prof. Hoping, sehr geehrter Herr Prof. Müller,

ich habe mit großem Interesse Ihren Beitrag „Viri probati“ zur Priesterweihe zulassen. Ein Vorschlag“ gelesen. Mit Ihnen teile ich die Sorge, wie es mit dem Priesternachwuchs weitergehen soll. Doch ich erlaube mir, Ihnen zu einem Vorschlag einige kritische Bemerkungen zukommen zu lassen: Sie sehen, wie ich aus Ihrem Beitrag ersehe, in den ständigen Diakonen ein Reservoir für Priester. Ich kann mich ganz und gar nicht mit diesem Gedanken anfreunden. Ich darf Ihnen dazu mitteilen, dass ich im Bistum Osnabrück 14 Jahre die Aufgabe des Personalreferenten wahrgenommen habe und parallel dazu 25 Jahre (!) die Aufgabe des Bischöflichen Beauftragten für die ständigen Diakone. Als ich diese Aufgaben im Jahre 1976 übernahm, bestand noch die Pioniersituation, was den ständigen Diakonat angeht. Immer wieder haben wir Bischöflichen Beauftragten in den Zusammenkünften auf Bundesebene darum gerungen, was die Identität des ständigen Diakons sein müsste. Inzwischen meine ich, dass sich ein eindeutiges Profil herausgebildet hat: Der Diakon ist der Anwalt der Armen und hat seinen originären Ort bei den Armen. Wenn ein Interessent zu mir kam, um mit mir über seine Berufung zu sprechen, habe ich immer zurückhaltend reagiert, wenn dieser sagte, er habe ursprünglich Priester werden wollen. Ich habe ihm nahegelegt, dass die Zeit der Vorbereitung auf die Diakonenweihe ausgenutzt werden müsste, um zu einer anderen Motivation zu kommen, nicht die Motivation, teilweise seinen Wunsch Priester zu werden zu verwirklichen.

Es hat die Situation in der Geschichte der Kirche gegeben, dass der Diakonat verschwand, weil die Diakone in das Amt des Priesters drängten. Mich wundert überhaupt, dass die Kirche über Jahrhunderte nicht unruhig wurde – wie sie heute wegen des Priestermangels unruhig ist – dass sie keine Diakone hatte, außer den Diakonen, die Priester wurden. Ich denke am meine eigene Diakonenweihe zurück. Ich wurde nur Diakon, weil ich Priester werden wollte. Die herausfordernde Identität des Diakons wurde uns nicht vermittelt. Als Aufgaben, die wir als Diakone wahrnehmen könnten, wurden nur liturgische Dienste genannt. Nach meiner Meinung braucht der Diakon heute eine ganz eindeutige Identität, die sich von der Identität des Priesters unterscheiden muss. Man verzeihe mir, der Artikel 29 von „lumen gentium“ ist nicht gerade Diakonen fördernd. Schon die Qualifizierung „eine Stufe tiefer“ klingt negativ. „Inferior“ hat doch einen negativen Klang. Wenn es in „lumen gentium“ um die Aufgaben des ständigen Diakons geht, werden vorwiegend Aufgaben in der Liturgie beschrieben, die „Liebestätigkeit“ steht an letzter Stelle.

Als ich die Aufgabe der Begleitung der Diakonatsbewerber wahrnahm, habe ich diesen eindringlich gesagt, wenn es zur Aufhebung des Pflichtzölibats käme, müssten sie ihrer eigenständigen Berufung, dem Diakonat, unbedingt treu bleiben. Dass Kardinal Lehmann, den ich sehr schätze, auch dafür plädiert, dass ständige Diakone eventuell Priester werden sollten, hat mich ein wenig enttäuscht.

Die Kirche braucht Priester, selbstverständlich. Doch die Kirche braucht auch Diakone. Sie muss darüber nachdenken, ob es nicht ein Stück Verantwortungslosigkeit war, dass sie über Jahrhunderte auf den eigenständigen Diakon verzichtete.

Es muss andere Wege geben, dass der Herr der Kirche uns weiter Priesterberufungen schenkt – dieser Weg sollte nicht über den ständigen Diakonat gehen. Die ständigen Diakone brauchen Unterstützung – auch der theologischen Wissenschaft – eine Identität zu finden, die sich von der Identität des Priesters unterscheidet.

Zuletzt eine Frage, ist es dogmatisch überhaupt notwendig, dass ein Priester vorher Diakon wird? Liegt hier nicht der Grund, dass es nach wie vor schwerfällt, dem Diakon eine Identität zu geben, die ihn unterscheidet von der Identität des Priesters?

Ich bitte Sie herzlich, meine kritischen Bemerkungen und Fragen wohlwollend zu bedenken.

Für Ihre wichtige Aufgabe wünsche ich Ihnen Gottes Segen!

Ihr


Heinrich Hanneken
Domkapitular em.

Von am

Sehr geehrter Herr Hanneken,
Danke für Ihren Beitrag! Sie sprechen mir aus der Seele. Es wäre ein Zeichen des Reichtums, wenn unsere Kirche den Mut aufbrächte, die verschiedenen Berufungen und Charismen wahrzunehmen und zur Entfaltung zu bringen.
Ihre Erläuterungen zum Ständigen Diakonat zeigen, dass zumindest nicht auszuschließen ist, dass über diese Schiene eigentlich zum Priester Berufene zumindest Diakone werden wollten, um überhaupt etwas davon leben zu können. Dass damit das Amt des Diakons "entwertet" wurde, hat man kaum gesehen. Wenn man sicherer wäre, dass Diakone wirklich Diakone werden möchten und nicht eigentlich Priester, dies ihnen aber aufgrund des Zölibates verwehrt ist, wären wir schon einen großen Schritt weiter. Und die Option für die Armen wäre besser in der Kirche gelebt. Und wieder wären wir beim Pflichtzölibat. Würde man die Lebensform vom Amt entkoppeln, könnte man freier darüber reden, wer zu was am besten geeignet ist.
Ich möchte mich nicht wiederholen.
Herzliche Grüße!

Von am

Die Pflicht zum Zölibat ist kurzum ein Unsinn.
Meine zehn Finger reichen nicht aus, um die mir bekannten Männer aufzuzählen, die wegen der Ehe das Priesteramt aufgeben haben, sprich geschasst worden sind. -
Die Zölibatspflicht in der R.K. Kirche bringt zudem heimliche Partnerschaften zustande. -

Ich halte die Starrheit und Feigheit der Bischöfe für kirchenschädlich, die durch den Pflichtzölibat eine pastorale Wüste schaffen. Wir hätten fähige Männer und Frauen genug, die Gemeinden leiten und die Sakramente spenden könnten.
Aber erst wenn es in den Petersdom hineinregnet, wird sich vielleicht was bewegen.
Bruder David

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