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Buchbesprechung : Tiemo Rainer Peters

„Die Theologen müssen, da ihnen Beweise für ihre Aussagen ein für allemal erlassen sind, umso dringlicher für die Klärung ihrer Begriffe sorgen.“ Diesen Satz des katholischen Philosophen Hans Blumenberg stellt Tiemo Rainer Peters seinem Werk voran, denn er geht davon aus, dass der christliche Glaube in der modernen Gesellschaft an dem mangelnden Verständnis seiner Begrifflichkeiten scheitert. Geschwächt und seiner Gewissheiten beraubt, blicke ein nachchristliches Europa deshalb „voller Angst“ auf einen „scheinbar vitalen Islam“. Um dem zu entgegnen, stellt Peters systematisch zentrale Begriffe der christlichen Verkündigung wie Erlösung, Auferstehung und Ewiges Leben vor. Er untersucht ihren biblischen Ursprung und ihre geschichtliche Entwicklung, um den Moment zu finden, in dem die Begriffe dem modernen Menschen entgleiten. Orientierung gewähren dem Dominikaner dabei die beiden zeitgenössischen Theologen Dietrich Bonhoeffer und Karl Rahner.

Das Zentrum der Christentumskrise macht Peters im Gottesbegriff aus. Alles neue Nachdenken müsse von hier ausgehen, allerdings, so die Einschränkung, „nach dem Ende der inzwischen obsolet gewordenen Metaphysik“ nur in Begriffen geschichtlicher und sozialer Erfahrung und in Verbindung mit den Berichten der Bibel. Wie Bonhoeffer, für den des Menschen Verhältnis zu Gott „ein neues Leben im Dasein-für-andere“ ist, fordert Peters „praktische Leser“, die sich die biblischen Texte in der Nachfolge aneignen und sie so verlebendigen. Diese Verlebendigung ist ganz im Sinn von Papst Franziskus, der an die Ränder gehen möchte und eine „Kirche der Armen“ wünscht. Nur eine Kirche, die die Armen und Leidtragenden dieser Welt im Blick hat, kann glaubwürdig ihre Botschaft vermitteln.

Bei Peters gerät allerdings in den Hintergrund, dass das Geglaubte sich immer vor dem Verstand verantworten muss, was gerade in einer modernen naturwissenschaftlich geprägten Gesellschaft entscheidend ist. Ein auch rational begründeter Glaube schließt zudem keineswegs eine engagierte, mit den Armen der Welt mitleidende Nachfolge Jesu aus. Ist sein Ansatz einer Neubelebung der christlichen Glaubensbegriffe erforderlich und unerlässlich, greifen seine Ausführungen deshalb gelegentlich zu kurz.

Tiemo Rainer Peters: Entleerte Geheimnisse. Die Kostbarkeit des christlichen Glaubens. Verlag Grünewald, Ostfildern 2017. 144 S. 17,oo € (D).

Quelle: Herder Korrespondenz 71. Jahrgang (2017), Heft 10, S. 53

Rubrik: Religion & Literatur

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