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Theologie : Fakultäten suchen die Öffentlichkeit

Nicht nur die gegenwärtig diskutierte Zusammenlegung von Priesterseminaren übt Druck auf die katholisch-theologischen Fakultäten aus. Mit mehr Medienpräsenz will man das eigene Standing in der Gesellschaft, der Universität wie der Kirche verbessern.

Die wissenschaftliche Theologie im deutschen Sprachraum hat, wie die gegenwärtigen Debatten über die Themen der beiden Bischofssynoden in Rom zeigen, weiterhin eine hohe Reputation. Im Pontifikat Franziskus gibt es wieder ein vermehrtes Interesse an theologischer Expertise. Auf der anderen Seite ist das Fach mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert, die in dem Dreieck Gesellschaft, Universität und Kirche ganz unterschiedlich akzentuiert sind (vgl. HK, März 2014, 147-151).

Bei allen Erfolgen Einzelner monieren nicht nur die Fachvertreter, dass sie trotz der in den vergangenen Jahren reichlich vorhandenen religionspolitischen Themen in der Öffentlichkeit zu wenig präsent sind beziehungsweise gehört werden. An der Universität steht man derzeit – wie andere Fächer auch – unter Druck, weil neue Qualitätsstandards und geplante Forschungsrankings, aufgrund derer dann auch Geldmittel vergeben werden, als Kriterien für gute geisteswissenschaftliche Forschung nur begrenzt geeignet sind. Kirchlicherseits wiederum hängt die vergleichsweise gute Ausstattung katholisch-theologischer Fakultäten an staatlichen Universitäten in Deutschland maßgeblich an der Priesterausbildung, die bei der Bestandsgarantie durch die Konkordate die zentrale Rolle spielt.

Priesterausbildung und Fakultäten entkoppeln?

Derzeit werden jedoch verstärkt Diskussionen darüber geführt, ob die Vielzahl der Standorte von Priesterseminaren beziehungsweise Studienkonvikten nicht überdacht werden müsse. Prominenteste Äußerung war da zuletzt ein Vortrag des Münsteraner Bischofs Felix Genn, Vorsitzender der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste der Deutschen Bischofskonferenz, anlässlich des 450. Jubiläums des Priesterseminars „Collegium Willibaldinum“ in Eichstätt im Oktober vergangenen Jahres.

Genn legte seinerzeit Kriterien dafür vor, was eine gute Priesterausbildung auszeichne. Zukünftige Priester müssten „in einer organischen Einheit von persönlicher Reife, echter Spiritualität, wissenschaftlicher Bildung und pastoraler Orientierung ausgebildet werden“. Es bestehe jedoch die enorme Herausforderung, „dass eine Reihe unserer Kandidaten nicht eine durchgängige religiöse Sozialisation mitbringen, die es zuerst erforderlich macht, kirchliches Leben und gläubige Existenz kennen zu lernen und in sie hineinzuwachsen“. Angesichts der zunehmend heterogenen Ausgangslage derer, die Priester werden wollen, sei deshalb besonders wichtig, dass man in einem Seminar Kirche im Kleinen erleben könne und in eine Gemeinschaft hineinwachse.

Mit Blick auf die weiterhin schrumpfenden Zahlen der Priesteramtskandidaten gelangt man hier freilich inzwischen an immer mehr Standorten an eine kritische Grenze. Im vergangenen Herbst haben in allen deutschen Diözesen zusammen 110 neue Seminaristen begonnen. Konkret in Erfurt steht derzeit in Frage, ob man sich weiterhin ein Seminar leisten solle, wenn die Studiengemeinschaft nicht einmal zehn Priesteramtsanwärter umfasse. Ähnlich sieht es in Fulda (ebenfalls bereits interdiözesan), Mainz, Trier und Würzburg aus.

Genn sagte angesichts dieser Ausgangslage in Eichstätt ausdrücklich: „Deshalb erscheint es mir notwendig, einige wenige größere Seminare in Deutschland zu bilden, die interdiözesanen Charakter hätten“. Immerhin als Frage formulierte er auch die weitreichende These, ob es nicht an der Zeit sei, die staatskirchenrechtliche Verbindung von Priesterausbildung und Fakultäten zu entkoppeln.

In der Folge wurde bereits viel spekuliert, ob es auf Seiten der Bischofskonferenz, die sich dem Thema auch auf ihrer Frühjahrsvollversammlung Ende Februar in Hildesheim gewidmet hat, bereits einen Masterplan gebe, auf welche Standorte man sich konzentrieren wolle.

Beim Katholisch-Theologischen Fakultätentag (KThF), der Ende Januar in Wiesbaden-Naurod tagte, versicherte der Sprecher der Regentenkonferenz, der Mainzer Regens Udo Bentz, jedoch, dass die Gespräche erst begonnen haben und es das ausdrückliche Ziel sei, ein „frühes, offenes und ehrliches Gespräch mit allen Beteiligten zu führen“, ohne dass es Vorfestlegungen von oben gäbe. Ausdrücklich schloss er sich im Übrigen auch dem Vorschlag einer Etablierung von „Seminaren des Volkes Gottes“ (Christian Hennecke) an, in denen auch andere Christen, die sich auf der Suche wissen, während ihres Studiums mitleben können.

Angesichts der Tatsache, dass die allermeisten der 22 488 Studenten und vor allem Studentinnen (Wintersemester 2013/2014; im Vorjahr: 22 821) nicht das Priesteramt und von diesen wiederum die meisten ein Staatsexamen anstreben, ist jede Fokussierung auf die wenigen Priesterkandidaten für die Theologie problematisch. Für die Landschaft theologischer Fakultäten und damit auch für deren Fakultätentag liegt die Brisanz allerdings insofern auf der Hand, als zuletzt die Katholisch-Theologische Fakultät in Bochum zur Disposition zu stehen schien, nachdem Bischof Franz-Josef Overbeck die Priesterausbildung mangels Masse nach Münster verlegt hat. Aufgrund des Engagements aller Beteiligten in Politik und Kirche scheint man dem Vernehmen nach immerhin auf einem guten Weg zu sein, eine „theologische Fakultät neuen Typs“ zu schaffen: möglicherweise nicht mehr mit der vom Konkordat gesicherten Vollausstattung, aber doch erheblich größer als ein Institut für die Lehrerausbildung.

Evaluation des Bologna-Prozesses

Aber auch andere für die theologische Wissenschaft heiklen Punkte kamen auf dem diesjährigen Fakultätentag zur Sprache. Mit Blick auf die Evaluation der Studienreform (des so genannten Bologna-Prozesses) hat sich zwischenzeitlich ergeben, dass die Erfahrungen trotz vieler Vorbehalte nicht so negativ sind wie befürchtet. Eine Alternative gab es ohnehin nicht, hätte doch ein „selektives Ausscheren“ für die Religionslehrerausbildung als auch die Theologie an der Universität insgesamt „unabsehbare Folgen“ gehabt, wie im Zwischenbericht des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz zu lesen ist. Dieser hat die Positionen von Fakultäten, Ausbildungsstätten und anderer Beteiligter im November vergangenen Jahres zusammengetragen.

Dort heißt es ausdrücklich: „Aufs Ganze gesehen haben sich die ,Kirchlichen Anforderungen‘ (an die Modularisierung des Studiums) bewährt.“ Es gebe allerdings die Notwendigkeit zur Korrektur bei den Vorgaben für die Abschlussprüfung. Außerdem wurden die mangelnde Mobilität, vor allem im Rahmen des so genannten Externen Jahres, und eine zu geringe Wahlfreiheit beziehungsweise zu wenig Freiräume im Studium als Desiderate benannt.

Im Schulterschluss mit anderen Fakultäten will sich der Katholisch-Theologische Fakultätentag gegen politische Bestrebungen auf europäischer Ebene wenden, den Bologna-Prozess auch auf die Promotionsphase auszudehnen und diese dadurch weiter zu verschulen. Insbesondere in Deutschland sei die Promotion bislang zu Recht nicht als die letzte Phase der Ausbildung verstanden worden, sondern als der Einstieg in die wissenschaftlich-berufliche Praxis, so der Regensburger Fundamentaltheologe Alfons Knoll, Vorsitzender des Katholisch-Theologischen Fakultätentags.

Dem Druck begegnen wollen die Theologinnen und Theologen unter anderem, indem sie sich verstärkt um Öffentlichkeit für ihre Sache bemühen. Der Studientag auf der Jahrestagung des Fakultätentags war deshalb dem Thema „Medienpräsenz der Theologie“ gewidmet.

Judith Hahn, Juniorprofessorin für das Fach Kirchenrecht in Bochum, referierte die Ergebnisse der von ihr mitverfassten Studie „Kirchenrecht in den Medien“ (vgl. HK, Januar 2012, 24-29) und steuerte dabei – trotz vergleichsweise schmaler Datenlage – interessante Beobachtungen zur Präsenz von Theologen in den Hauptnachrichten im deutschen Fernsehen bei. So sei generell eine Verlegenheit zu beobachten, wie man Theologen präsentieren solle. Letztlich interessiere auch nicht der Wissenschaftler, sondern mehr der kirchenpolitische Experte zwischen den Polen Kirchenerklärer und Kirchenkritiker – was es für den Theologen nicht immer einfacher mache, wie der Münsteraner Neutestamentler Johannes Schnocks, Beiratsmitglied des KThF, zuvor bereits beklagte.

Ausdrückliche Medienberatung für Theologen haben dagegen die Leiterin des Zentrums für Wissenschaftskommunikation des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ an der Universität Münster, Viola van Melis, und der Jesuit Eckhard Bieger, ehemals Leiter der Katholischen Fernseharbeit der Deutschen Bischofskonferenz, geleistet.

Van Melis ermunterte die Theologen, ihre Themen nicht den Experten konfessionell ungebundener Fächer zu überlassen. Journalisten kämen oft nicht auf die Idee, einen Theologen anzufragen, seien an deren Expertise, etwa zum Orientierungswissen in Momenten der Krise, hier und da aber sehr interessiert. Auch Forschungsergebnisse interessierten oft mehr als vermutet. Es komme allerdings darauf an, sie auch in geeigneter Form anzubieten.

Bieger plädierte dafür, gerade die digitalen Medien noch viel intensiver zu nutzen. Weil die Deutungshoheit der klassischen Medien durch die technischen Entwicklungen verloren gehe, gebe es neue, einfachere und vor allem schnellere Möglichkeiten, sich an den bisherigen „Gatekeepern“ der öffentlichen Meinungsbildung offensiv zu beteiligen. Fakultäten sollten ihr Lehrangebot auch über das Internet anbieten, etwa mit Blogs, Video-Aufzeichnungen der Vorlesungen und Diskussion-Plattformen zu Seminaren. Der Clou: Weil die Auslegung von Texten im Unterschied zur Präsentation von Bildern im Netz wichtiger sei, könne gerade die Theologie katholischer Ausprägung in diesem medialen Umfeld einen neuen Aufschwung nehmen.

Dass dies alles nicht so leicht sein wird, zeigte sich freilich dann auch an einem anderen Tagesordnungspunkt: der Überarbeitung der eigenen Webpräsenz und der intensiveren Beteiligung bei der Website „katholische-theologie.info“. 

Quelle: Herder Korrespondenz 69. Jahrgang (2015), Heft 3, S. 117-119

Rubrik: Universität

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